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20.08.09, 18:02
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Kaffeejunkie
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Registriert seit: 15.08.09
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Tagebuch einer Rundreise
Es ist ja nichts Ungewöhnliches nach Rumänien zu fahren, aber wenn du deinen Verwandten erzählst, du willst das mit dem Motorrad machen, dann wirst du meist für verrückt erklärt. Viel zu gefährlich....., wenn was passiert.....
Na ja, manchmal muss man auch verrückte Sachen machen, außerdem war es ein Traum von mir und Träume soll man sich erfüllen.
Vorab:
Meine Frau fährt selbst eine Maschine so dass wir die Tour auf zwei Motorrädern absolvierten. Großartig vorreserviert hatten wir nicht. Nur der Verlauf war grob geplant.
Samstag 26.05.:
Um 10:00 Uhr starten wir die Motoren. Die Sonne lacht. Wir wollten eigentlich schon früher los, aber wie das eben so ist, muss dieses und jenes noch eingepackt werden, Pflanzen versorgt werden etc.
Die Strecke führt uns Richtung Passau, Wien.
Nach der ungarischen Grenze geht es zügig weiter bis Budapest. Unser Ziel ist Gyöngyös, etwa 75 km hinter (ostwärts) Budapest, damit die Etappe am nächsten Tag nicht zu lang wird. Durch Budapest kommen wir gut voran und Dank einer guten Beschilderung verfahren wir uns auch nicht.
Eine gut ausgebaute Straße führt in die richtige Richtung. Vor uns verdunkelt sich der Himmel bedrohlich. Dann krachen Blitze zu Boden und wir müssen genau darauf zu fahren. Etwas mulmig wird einem schon dabei, schließlich haben wir kein Blech um uns herum.
Gegen 21:00 Uhr erreichen wir unseren Zielort für diesen Tag. Nun geht die Zimmersuche los. Es regnet in Strömen. Ewig irren wir durch die Kleinstadt auf der Suche nach einer Pension, die uns von mehreren Passanten mit Händen und Füßen empfohlen wurde.
Ein junges Paar fragen wir nach der Adresse, zuerst auf deutsch dann auf englisch. Stumm blicken sie uns an als ob wir Außerirdische wären. Na ja, es war Samstag Abend und der Palinka hat wohl gut geschmeckt.
Durch puren Zufall finden wir die Pension dann auch, nachdem wir mindesten 3 mal daran vorbei gefahren waren (F**k). Die Bäume vor dem Haus verdeckten die Sicht auf die Beschriftung. Die Motorräder konnten im Innenhof abgestellt werden, der über Nacht verschlossen war.
Wir lassen uns noch ein riesiges Schnitzel schmecken, bevor wir unsere müden Knochen in den 2. Stock schleppen. Das Unwetter war direkt über uns und wir hatten sozusagen einen Panoramablick unter dem Dachfenster. Das hat was!
Fahrstrecke: 850 km. Mein Hintern war der Meinung es wären viel mehr gewesen.
Sonntag 27.05.:
Vor uns liegen heute 550 km unbekannte Landstraße!
Ungarn wird flach wie eine Flunder. Gegen Mittag erreichen wir die rumänische Grenze kurz vor Satu Mare. Der Grenzübertritt ist absolut problemlos. In Satu Mare versorgen wir uns mit Bargeld an einem Bankautomaten, damit wir in Landeswährung bezahlen können.
Danach suchen wir nach einer kleinen Straße, die nach Baia Mareführt, weil nicht auf der Hauptstraße fahren wollten. Vor mir fährt ein Radfahrer. Ich klappe meinen Helm hoch, fahre neben ihm her und rufe ihm zu: „scusatz“, woraufhin er beinahe vor Schreck von seinem Fahrrad viel. „unde jeste drumul pine la Baia Mare“ (wo ist der Weg nach Baia Mare). Mein mit Hilfe eines Wörterbuches auswendig gelernter Satz (rumänisch habe ich komplett verlernt) schien verstanden worden zu sein. Äußerst freundlich kam die Antwort: „ trei suta metru inainte“ (300 Meter zurück). Wir fahren zurück und finden die Straße abermals nicht. Christiane versucht es auch nach dem Weg zu fragen. Auf Englisch. Der Mann meinte „sprechen Sie Deutsch?“, woraufhin wir auch eine exakte Wegbeschreibung erhielten und den Abzweig trotz fehlendem Wegweiser auch tatsächlich gefunden haben.
Über Baia Mare fahren wir die sehr schöne Strecke Richtung Dej. Die Landschaft ist traumhaft schön. Alles ist in einem saftigen Grün getränkt.
Die Menschen sind freundlich, Kinder winken uns zu. Auf den Straßen ist vom Pferdefuhrwerk bis zur Luxuskarosse alles vertreten. Kurz vor unserem Tagesziel Bistrita verdunkelt sich schon wieder der Himmel. Wieder dort, wo wir eigentlich hin müssen. Bevor es zu regnen beginnt, erreichen wir unser Hotel. Für 20 LEI (ca. 6 EUR) verspricht uns ein Hotelangestellter die Maschinen „im Auge“ zu behalten.
Montag 28.05.:
Heute wollen wir es etwas ruhiger angehen lassen.
Wir machen einen Stadtbummel in Bistrita (Bistritz) und fahren am Nachmittag in der näheren Umgebung spazieren. Natürlich auch in meinen Heimatort. Ich bin dort bis zu meinem 8. Lebensjahr aufgewachsen und zur Schule gegangen.
Trotz massiven Verständigungsproblemen bittet uns die neue Besitzerin meines Elternhauses herein und bietet uns Krautwickerl und Mohnstrudel an. Alles ist noch wie vor 35 Jahren. Erinnerungen kommen hoch und ich trete geistig in eine andere Welt über. Meine Frau muss mehrmals etwas zu mir sagen bis ich es höre, weil ich komplett weggetreten bin. Nachdem wir das Haus besichtigt haben, möchten wir gerne alleine durch das Dorf spazieren, kommen aber nur 50 Meter weit.
„ Gjirkochie, best dau et?“ spricht mich eine ältere Dame mit Strohhut an.
„ Ja...gen Dooch..“.
Gerade noch kann ich meine Wangen hindrehen, sonst wäre der „Schmatz“ direkt auf meinen Lippen gelandet.
Es war die Mutter meines Spielkameraden Emil. Emil gehörte einer Minderheit an: den Sinti/Roma umgangssprachlich Zigeuner genannt. Sie sprach etwas den Siebenbürger Dialekt aber kein deutsch.
„ Komm mer gü zem Emil“.
Zack, hatte sie sich bei mir eingehängt und so marschierten wir zu Emil.
Nach 35 Jahren sah ich zum ersten mal meinen Spielkameraden wieder. Die Freude war groß, wir umarmten uns. Er zeigt mir gleich seine kleine Autowerkstatt und das Projekt an dem er seit einiger Zeit herumschweisst. Früher waren wir ständig zusammen. Das frisch gebackene Brot meiner Mutter habe ich mit ihm gegen Mamaliga getauscht, weil das damals mein Lieblingsessen war. Wir haben damals den Rhabarber und Kirschen aus den Gärten gestohlen (man möge es uns verzeihen), unreife Äpfel und Sauerampfer gegessen und sind mit unseren selbst gebastelten Angelruten zum Fischen gegangen. Das ganze Dorf war unser Abenteuerspielplatz. Den nicht vorhandenen Fernsehapparat haben wir nicht vermisst.
Zum Abschied drückt er mir eine 2-Liter-Plastikflasche Zuika in die Hand. Ich lehnte ab, mit dem Hinweis keine Transportmöglichkeit auf dem Motorrad zu haben. Wohl wissend, dass es eigentlich unhöflich ist, aber es schien mir zu schade den hinterher weg zu werfen. Er bestand jedoch darauf. Nun gut, mit 2 Liter Zuika auf dem Gepäckträger fuhren wir wieder ins Hotel. Die, die das gesehen haben werden sich auch ihren Teil gedacht haben. Na ja, es stand ja „Coca Cola“ drauf. Ist eben ein helles Cola.

Im Hotel wollten wir den Zuika eigentlich im Waschbecken entsorgen. Vorher kostete ich.
„ Der ist aber lecker“ sage ich zu meiner Frau und lies sie auch mal probieren. „Ja wirklich, der schmeckt super“ sagt sie. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft, die 2-Liter-Flasche in unserem begrenzten Gepäckvolumen unter zu bringen.
Am Abend bestelle ich wieder Mamaliguta cu Brinza, was der Bedienung erneut ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Warum auch immer, mir schmeckte sie jedenfalls ganz hervorragend...die Mamaliga. Danach gönnten wir uns noch einen Schluck Zuika auf dem Hotelzimmer. Wegen der Verdauung, versteht sich.
Dienstag 29.05.:
Nach dem Frühstück fahren wir in Richtung Vatra Dornei. Die Sonne strahlt vom Himmel, keine Wolke zu sehen. Alle paar Kilometer wird die Straße aufgerissen und erneuert. Kilometerweit geht’s auf Schotter weiter, dann wieder Asphalt und wieder Schotter. Das „Dracula“-Schloss (eines steht hier und eines in Bran) sehen wir uns nur kurz von außen an. Bei Vatra Dornei folgen wir dem Fluss Bistrita in Richtung Bicaz. Die Straße schlängelt sich entlang des Flusses.
Es ist Mittag. Viele Schulkinder befinden sich auf dem Nachhauseweg und winken uns zu. Erneut fahren wir Gewitterwolken entgegen oder folgen wir denen? Keine Ahnung. Es beginnt heftig zu regnen und wir stellen uns in einem Straßenkaffee unter.
Die Betreiberin löffelt gerade ihre Suppe, springt aber sofort auf, um uns zu bedienen. Wieder zahlt es sich aus, dass ich einige Sätze auf Rumänisch auswendig gelernt habe. Zumindest stellt das Bestellen von Kaffee (das Wichtigste) kein Problem dar.
Nach ca. 1,5 Std. und 6 Tassen Kaffee kann es bei leichterem Regen endlich weiter gehen.
Wird auch Zeit, der Kaffee drängte wieder nach draußen! Ich muss lachen, als ich den Blick von Christiane sehe, nachdem sie das draußen befindliche Plums-Klo besichtigt hatte und meinte: „Lass uns weiterfahren, bis ich mich in die Büsche schlagen kann, da würdest Du nicht mal im Stehen pinkeln!“ Aber die Strafe folgte auf dem Fuß, äh LKW... wir erhalten eine ungewollte Dusche, als uns ein mit Baumstämmen beladener Tieflader innerorts mit ca. 80 km/h auf der überschwemmten Fahrbahn entgegendonnerte. Etliche hundert Liter verschmutztes Regenwasser ergossen sich über uns. Für Sekunden keine Sicht mehr. Wieder mache ich mir vor Lachen fast in die Hosen, Christianes Visier war nicht ganz zu :-)
Um uns von dem Schreck kurz zu erholen und den Kaffee wieder los zu werden, hielten wir an. Kaum 5 Minuten danach trafen 2 Motorradfahrer aus Österreich zu uns und kurz darauf ein Fahrer aus der bayerischen Heimat.
Das war ein tolles Bild.
Der Bayer kam gerade aus Griechenland über Bulgarien und wollte noch einen „Abstecher“ in die Ukraine machen. Neid!
Trotz des immer wieder einsetzenden Regens kommen wir recht gut voran. Nachdem wir einen Stausee umfahren haben (die Straße über den Staudamm wird gerade erneuert), erreichten wir die Bicaz-Klamm (Cheile Bicazului).
Imposante Felsen ragen steil in den Himmel. Dazwischen schlängelt sich die Straße hindurch. Schade das es regnet, hier hätten wir gerne einige Fotos mehr gemacht.
Am kurz darauf folgenden Lacul Rosu machen wir aufgrund des schlechten Wetters keinen größeren Stopp. Ein kurzer Blick muss genügen.
Lacul Rosu, der rote See entstand anno 1838 durch einen Erdrutsch wodurch sich mehrere Gebirgsbäche stauten. Der ursprünglich dort vorhandene Wald wurde geflutet. Die Baumstämme (konserviert durch Sauerstoffentzug und stark mineralhaltiges Wasser) ragen heute noch aus dem Wasser. Der See schimmert leicht rötlich; daher der Name.
Nachdem wir Gheorghenie erreicht hatten, wird das Wetter endlich besser. Eine neu geteerte Straße führte uns in Richtung Praid. Wir „müssen“ einen kleinen Pass hinauf fahren, auf dem sich ein kleines Skigebiet befindet. In einer von Mutter und Sohn betriebenen Skihütten-Siedlung finden wir für diese Nacht ein Quartier – wir sind zu dieser Jahreszeit die einzigen Gäste bis auf einige Leute die ungarisch sprachen aber nur zum Essen da waren.
Schnell wird der Holzofen für uns eingeheizt, danach gibt es wieder ein leckeres Essen (Mamaliga) und ein oder zwei Verdauungsschnäpse.
Seltsame Geräusche bereiten uns etwas Sorgen in der Nacht. Es hörte sich an wie ein Rudel Wölfe, das um unsere Hütte schleicht. Vorsorglich vergewissere ich mich noch, ob auch wirklich alle Fenster verschlossen sind.
Fortsetzung folgt....
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Wun det Dâch draj äsz, wa sâl et trépsen?
Geändert von hanzy (06.09.09 um 22:09 Uhr)
Grund: auf Wunsch von Haiduc
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20.08.09, 18:12
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Kaffeejunkie
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Fortsetzung
Mittwoch 30.05.:
Zum Frühstück gibt es normalerweise Würstchen mit Ei. Da wir allerdings ein „süßes“ Frühstück bevorzugen, organisierte die Mutter aus ihrem privaten Kühlschrank etwas Margarine und selbst gemachte Marmelade, dazu ein ganzes Brot. Der Kaffee war so stark, dass fast der Löffel von selbst drin stehen blieb. Danach war der Kreislauf so richtig auf Hochtouren. Auf die Geräusche der Nacht angesprochen, erklärte uns der Sohn des Hauses, dass es sich nicht um Wölfe, sondern um wilde Hunde handelte, die bei Dunkelheit die Abfalleimer des Dorfes durchwühlten. Ein echter Wolf würde in dieser Gegend niemals so nahe an eine Siedlung herankommen. Wir bezahlen 50 Lei ( 15,62 EUR) für die Übernachtung mit Frühstück und zwar für uns beide zusammen!!
Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Es ist bewölkt, aber kein Regen.
Nach Praid folgen wir der Straße Richtung Odorheiu Secuiesc. Tolle Landschaft, tolle Straße, um es kurz zu beschreiben. Der nächste Stopp heißt Sighisoara (Schäßburg).
Eine schöne kleine Stadt, die an diesem Tag von italienischen Reisebussen belagert war. Da wir unsere Maschinen mitsamt dem Gepäck nicht gerne unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen, schauen wir uns die Stadt kurz aus dem Sattel an. Wir bekommen hier echten italienischen Cappuccino, von dem wir uns gleich zwei gönnen, bevor es zu unserem nächstes Ziel weiter geht: Biertan (Bierthälm).
Vor der alten Wehrkirche gönnen wir uns ein kleine Pause.
Die terrassenförmigen Hügel in dieser Umgebung faszinieren uns. Ob man hier wohl früher Wein angebaut hat? Anbieten würde es sich, jedoch konnten wir keine Anpflanzungen an den Hügeln erkennen. Nur sattes, grünes Gras.
Nach einem kurzen Abstecher zu dem Ort Agnita (Agnetheln) ging es ein kurzes Stück zurück und über Nocrich nach Sibiu (Hermannstadt). Über Internet haben wir uns eine Pension ausgesucht. Ein Autofahrer, den wir nach dem Weg fragten, schenkte uns aus Zeitmangel den Weg zu erklären, seinen Stadtplan, womit wir dann auch tatsächlich unser Ziel erreichten. Die Pension war leider etwas weit vom Zentrum entfernt, so dass unser Fußmarsch dorthin sich etwas in die Länge zog - Wandern war eigentlich nicht eingeplant. Das Stadtzentrum ist wunderschön renoviert und da Sibiu 2007 Kulturhauptstadt Europas ist, war hier einiges geboten. Auf dem Piata Mare war eine große Bühne aufgebaut, überall spielten Bands – tolle Stimmung, einfach super.
Wir genießen die Stimmung in einem neu renovierten, modernen Café. Auch die Preise sind moderner als auf unserer bisherigen Route
Die Kaffees servieren „Segafredo“ oder „Alfredo“ Kaffee aus Italien.
Donnerstag 31.05.:
Unser Pensionsherr hat uns am Vortag versprochen, dass er uns ein Frühstück um 08:30 Uhr zubereiten wird. Na ja....., wir waren da...., nur kein Pensionsherr und kein Frühstück. Nach 45 Minuten Wartezeit benötigte ich dringend einen Kaffee worauf wir beschlossen einfach zu fahren. Das Geld für die Übernachtung hatte er ja schon am Vortag kassiert. Wir fuhren mit unseren Maschinen in die Innenstadt um am Piata Mica bei vorzüglichem Cappuccino und vom Bäcker gegenüber gekauften Croissants ein leckeres Frühstück zu genießen.
Heute haben wir uns die Transfagarasan Höhenstraße vorgenommen. Zunächst müssen wir Richtung Brasov (Kronstadt). Die Straße wird teilweise ....genau... aufgerissen und erneuert. Nach ca. 30 km biegen wir rechts ab Richtung Transfagarasan. Die Transfagarasan gilt als die spektakulärste Straße in Rumänien. Sie windet sich von Nord nach Süd zwischen dem höchsten Gipfel (Moldovenau) und dem zweithöchsten Gipfel (Negoiu) der rumänischen Karpaten bis auf 2.034 Höhenmeter.
Üblicherweise ist die Straße von Ende Oktober bis Ende Juni gesperrt und tatsächlich, kurz nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen waren, prangert ein Schild am Straßenrand mit dem Hinweis, dass die Straße ab einem bestimmten Punkt gesperrt sei. Wir wollen es trotzdem versuchen, schließlich kann man sich mit einem Motorrad an so manchen Sperren vorbeimogeln.
Die Strecke beginnt gut mit schönen, langgezogenen Kurven, die zunehmend immer enger wurden. Die Sicht wird schlechter. Der Nebel beschlägt am Visier, mein Thermometer zeigt 8 Grad an (vor 20 Minuten waren es noch über 20 Grad) und wir sind noch nicht mal auf halbem Weg oben.
Plötzlich versperrt ein Steinschlag die halbe Straße.

Wir beschließen kurz zu halten.
In diesem Moment begegnen uns zwei serbische Motorradfahrer. Sie kommen von oben. Freude breitet sich bei uns aus, denn das bedeutet man kann über den Pass fahren.
Zu früh gefreut! Die Beiden haben ebenfalls versucht aus gleicher Richtung wie wir den Pass zu bezwingen. Sie berichten uns aufgeregt von 2 Meter hohem Schnee, durch den eine schmale Fahrspur gefräst wurde, Glatteis und am Ende der Fahrspur von einem querstehenden Schneeräum-Bagger. Einer von ihnen sei auf dem Eis gestürzt. Danach haben sie lieber Kehrt gemacht. Sie gaben uns noch den Rat uns die Zeit zu sparen und gleich umzudrehen. Zuvor gab's aber erst noch ein Foto mit meiner Frau, eine Bikerin ist in Serbien noch was Besonderes :-)
Wir wollten trotzdem noch ein Stück weiter hoch. Nach kurzer Zeit war aufgrund der schlechten Sicht nur noch Schritt-Tempo möglich. Durch den dichten Nebel konnten wir den Straßenrand nicht mehr erkennen, schemenhaft sahen wir aufgetürmte Schneehaufen - O.K. das ist genug. Die Strecke ist uns vollkommen unbekannt, also machten wir lieber kehrt. Transfagarasan wir kommen wieder! Dich bezwingen wir auch noch.
Hier wurde die erste Änderung der geplante Route notwendig.
Wir fuhren wieder Zurück in Richtung Sibiu und folgten der Hauptverkehrsstraße Richtung Pitesti. Wären da nicht tausende von LKW unterwegs, würde die Straße richtig Spaß machen. Bei Brezoi verlassen wir endlich die Hauptstraße und befinden uns auf einer schönen, glatt geteerten und schlaglochfreien Straße. Hinter dem Ort Voineasa fängt es wieder an zu regnen und der Straßenbelag wird immer schlechter bis man von Straßenbelag gar nicht mehr sprechen kann. Fast im Blindflug fahren wir einige Kehren auf unbefestigter, nasser Straße hoch. Uns fällt auf, dass wir den letzten Menschen vor etwa einer Stunde gesehen haben. Der Regen hört auf, kurze Pause im Wald. Ein LKW, voll beladen mit Holzstämmen quält sich die mittlerweile zum Forstweg gewordene Straße entlang. Sind wir hier richtig? Wir fahren an abgeholzten Berghängen vorbei. Wenn man so etwas sieht, wird man leicht betrübt.
Am Lacul Vidra machen wir nur einen kurzen Foto- und Zigarettenstopp.
Nachdem wir einige Kilometer talwärts gefahren und dem Angriff eines Schäferhundes wohlbehalten entkommen sind (manche legen sich echt auf die Lauer, um unbescholtene Biker zu tyrannisieren!), treffen wir mitten im Wald auf eine neu errichtete Pension. Obwohl erst 17:00 Uhr, beschließen wir hier zu bleiben. Wer weiß, was da sonst noch kommt. Koch und Besitzer arbeiten an diesem Abend für uns alleine. Beide legen sich für uns mächtig ins Zeug und schmeißen alles an, was sie haben. Das war jedoch zu viel für die Sicherungen und der Strom fiel immer wieder aus. Aber das tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch und wir entdeckten auf der Karte auch unsere geliebte Mamaliga. Christiane nahm noch eine Forelle dazu.
Freitag 01.06.:
Nach einem guten Frühstück treffen wir in Petrosani auf eine Hauptverkehrsstraße. Wir beratschlagen kurz, ob wir nach Norden oder Süden weiter fahren. Da ich gehört habe, dass der Ort Hunedoara besonders schön sein soll, fuhren wir nach Norden. In Hateg war die Ortsdurchfahrt in Richtung Hunedoara gesperrt. Der Verkehrspolizist war irgendwie unfähig, den Verkehr zu regeln, brullte nur irgend etwas in der Gegend herum, so dass wir keine Möglichkeit sahen Hunedoara zu erreichen. Es gab scheinbar keine Umleitung. Erneute Routenänderung. Wir fuhren westwärts nach Caransebes. Hier treffen wir wieder auf eine Hauptverkehrsstraße, die sich als die katastrophalste der bisherigen Tour entpuppte. Wie so oft, regnete es mal wieder. Auf ewig langen Teilstücken wurde die Straße aufgerissen. Ampeln mit bis zu 15 Minuten dauernden Rotphasen gaben den Verkehr einspurig frei. Dumm war nur, dass die letzten die noch bei „Grün“ durchfuhren, die Strecke nicht schafften. Währenddessen bekam der Gegenverkehr „Grün“. Das reinste Chaos. Die PKW´s fuhren nicht, sondern wankten von einem Schlagloch ins andere und bewegten sich so irgendwie vorwärts. Es ging nichts voran. Aber, wir waren ja auf geländetauglichen Maschinen unterwegs und konnten ziemlich gut rechts und links an den Kolonnen vorbei fahren. Gefährlich waren die tiefen Schlaglöcher, da sie durch den Regen mit einer schmutzigen Brühe gefüllt waren und man so nicht deren tiefe abschätzen konnte. Gas geben und durch hieß die Devise.
Nach dieser Etappe sahen wir aus wie Schweine. Von Kopf bis Fuß mit Schlamm vollgespritzt. Ebenso die Motorräder.
Bei einem kurzen Zigarettenstop taucht in etwas 100 m Entfernung auch noch ein Hund bellend auf. Kurze Zeit später ein Zweiter und ein Dritter. Der Erste wurde immer mutiger und kam näher. Christiane meinte es wäre Zeit weiter zu fahren. Dummerweise stand meine Maschine entgegengesetzt der Fahrtrichtung. Als die Hunde merkten, dass wir abhauen wollen, setzten sie auch schon zum Angriff an. Immer noch nicht die Maschine gewendet, stieg ich ab und versuchte mit einigen Steinen die Biester zu vertreiben. Erfolglos. Also stieg ich wieder auf und fuhr hupend direkt auf sie zu, was sie etwas erschreckte und mir Zeit gab zu wenden. Mit kläffenden, wilden Hunden am Hinterrad haben wir uns schnellstens entfernt. Das nächste mal werd' ich vorsichtshalber Pfefferspray oder ähnliches dabei haben.
An einer Tankstelle, die kein Benzin mehr hatte (?!) aber etwas Essbares und Kaffee verkaufte, treffen wir auf drei Motorradfahrer, die gerade dabei waren, ihre völlig verdreckten und durchnässten Klamotten zu ordnen. Hey, endlich mal wieder Artgenossen! Als wir sie näher betrachten, können wir uns ein Lachen nicht mehr verkneifen und weisen sie auf die noch vor Ihnen liegenden Baustellenpassagen mit den megatiefen Schlaglöchern hin. Aber auch in unserer Richtung soll es wohl nicht besser aussehen – Shit! Die Drei sind auf dem Rückweg nach Deutschland, haben das Donaudelta und Bulgarien „erfahren“. Sie berichten von der letzten Nacht in Bulgarien in einem Hotelzimmer in dem es so feucht war, dass sich sogar ein Frosch darin wohl fühlte
Wir erreichen Baile Herculane und beschließen hier zu übernachten.
Das erste Hotel war „angeblich“ schon voll, obwohl nur 2 Fahrzeuge auf dem Parkplatz standen. Na ja, so verdreckt wie wir waren. Wir lassen unsere Maschinen und unsere Klamotten mit dem Dampfstrahler abspritzen und siehe da, das nächste Hotel hatte ein Zimmer frei (warum müssen wir immer in die 2. Etage??).
Heute habe ich mal auf die geliebte Mamaliga verzichtet und ein erstklassiges Steak bei einer Flasche Rotwein verdrückt.
Samstag 02.06.:
Wir müssen es heute schaffen durch Serbien nach Kroatien zu kommen. Nach einem guten Frühstück wird wieder aufgesattelt.
Durch eine malerische Landschaft fahren wir auf einer Nebenstraße Richtung Anina (Steierdorf). Nach der gestrigen Chaos-Etappe, können wir heute die Motorräder fliegen lassen.
Wir fühlen uns, als hätte man uns 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Auf den Feldern ist kein einziger Traktor zu sehen. Die Arbeit erledigen Menschen, Pferde und Ochsen. Gepflügt wird mit dem Handpflug, der von einem Pferd gezogen wird. Unkraut wird von Hand mit der Harke entfernt. In Anina gibt es mal wieder Kaffee der einen aus den Latschen hebt. Auf der Straßenkarte ist eine kleine Abkürzung eingezeichnet, die wir nach einem Hinweis eines freundlichen Autofahrers mit deutschem Kennzeichen finden. Querfeldein geht es einige Zeit bis wir wieder auf die Hauptstraße kommen.
Nach Oravita wird das Land immer flacher. Ein schöner Anblick, die riesigen Felder im Vordergrund und dahinter die Bergkette der Karpaten.
An der Grenze zu Serbien fordert uns eine junge Grenzerin auf:
„Papiere bittääää“ .... extrem freundlich und mit einem Lächeln.
Blaue Augen blicken in rehbraune Augen.
Ich fragte: „Welche denn...?“ (immer zu einem Scherz bereit )
Daraufhin verschwand sie etwas irritiert im Gebäude um kurz darauf mit ihrer Chefin zu erscheinen. So war das nun auch wieder nicht gemeint. Die „Chefin“ blickte auf unsere Kennzeichen: „Deutsch?“
„ Ja, Deutsch...“ erwiderte ich und sie wünschte uns eine angenehme Reise ohne die Papierää sehen zu wollen.
Christiane funkt zu mir:
„ Die Kleine hat sich wohl gerade verliebt?“
Oha, dachte ich mir ...was kommt jetzt. Am besten dumm stellen:
„ Wiesooooo?“
„ Na ..... wie die dich angestrahlt hat ....“
„ Ach komm: die war doch nur freundlich...“
„ Ja, ja, ja.....Freundchen...nur gucken!!“
Der serbische Grenzer nimmt es da schon genauer:
„ Reisepass, grüne Versicherungskarte, Helm bitte absetzen...“
Zum Glück können wir beides vorweisen. Danach rief er noch seine 4 Kollegen, damit die eine Frau auf einem Motorrad bestaunen konnten. In der Zwischenzeit rauchte ich eine Zigarette. Dann durften wir weiter fahren.
Die Straßen in Serbien sind super. Wir lassen die Maschinen laufen bis wir kurz vor Belgrad auf den Autoput fahren. Wir schaffen es bis Osijek/Kroatien. Mitten in der Fußgängerzone, finden wir ein schönes Hotel und ein Mäci nebenan 
Sonntag 03.06.:
Ein reiner Autobahn-Tag. Wir müssen Kroatien komplett durchqueren um am Abend in Istrien an zu kommen. Hier machen wir erst mal 2 Wochen Pause (Urlaub) auf einem Camping-Platz, bevor wir wieder nach Hause fahren. Ich brauche einfach Sonne und Salzwasser sonst fehlt mir etwas. Von den 2 Liter Zuika konnten wir nur noch einen halben Liter nach Hause retten. Das lag daran, dass ich meine Nachbarn auf dem Campingplatz einmal habe probieren lassen. Danach kam jeden Tag einer vorbei.
Erst mal ein wenig „Smalltalk“:
„ ... schönes Wetter heute was? ... Wasser ist wärmer als gestern ....usw...“
Dann....., nachdem sie sich vergewissert haben, dass ihre Frauen nicht in der Nähe sind: 
„ ... hast du noch etwas von dem Zeug von gestern?“
Klar hatte ich noch von dem Zeug. War zwar erst 10:00 Uhr Morgens und eigentlich bin ich so ein halber Abstinenzler aber was tut man nicht alles für eine angenehme Nachbarschaft.
Wenn wir Zuhause sind, haben wir über 4.000 km zurückgelegt.
Schön war es. Ein Erlebnis, an das man sich viele Jahre erinnert. Irgendwann kommen wir wieder. Alleine schon wegen der Transfagarasan und um die 2-Liter-Flasche wieder auf zu füllen.
Freue mich über euer Feedback.
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Wun det Dâch draj äsz, wa sâl et trépsen?
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20.08.09, 20:48
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Schlumpfine
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Registriert seit: 29.03.09
Ort: Calberlah
Beiträge: 563
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... ich danke für diese Gelegenheit mit zu reisen.....
Teile der Reise kommen mir sehr bekannt vor.... als ob es gestern war....und es war sehr schön....
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Suche nicht nach dem Licht in der Dunkelheit,
suche nach dem Licht in DIR!!! 
HG.
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23.08.09, 00:19
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Benutzer
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Registriert seit: 03.07.09
Ort: Vancouver
Beiträge: 17
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Danke fur den schonen und ausfuehrlichen Beitrag. Hoffentlich serviert Dir die Christiane(wenn Du brav bist und den Grenzerinnen nicht zu tief in die Augen schaust :-) auch in Deutschland den geliebten Paluckes, eh?! Zum Gluck hast du dann den Pali gekostet, sonst ware er in den Waschbecken gekommen(Jammer!).
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23.08.09, 00:30
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Kaffeejunkie
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Registriert seit: 15.08.09
Ort: Lkr. Dachau
Beiträge: 783
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@Henny
freut mich, dass es Dir gefallen und einige Erinnerungen bei Dir geweckt hat
@ski2sky
Ja, wäre wirklich schade um den Pali gewesen aber ... er hat dann doch unsere Kehlen erfreut.  Palukes gibt es, ja .... aber ziemlich selten.
Ob das an Grenzerinnen liegt....who knows
Schöne Grüße nach Vancouver!
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Wun det Dâch draj äsz, wa sâl et trépsen?
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13.10.09, 12:17
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Neuer Benutzer
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Registriert seit: 09.10.09
Beiträge: 5
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Da lebt und fährt man wirklich mit, toll geschriebener Bericht. Macht schon wieder extrem Lust auf eine Abenteuer-Reise. Nur leider wirds jetzt Winter ... Ich habe einmal meine grüne Versicherungskarte zuhause vergessen, war dann an der Grenze etwas unangenehm. Das wird mir sicher nie wieder passieren, habe damals meine Versicherung anrufen müssen, damit sie bestätigen, dass ich die Karte habe. Aber aus Fehlern lernt man ja ...
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